Guten Morgen,
ein Szenario, das viele kennen: Ein Vertrag mit 40 Seiten muss vor dem Meeting gelesen sein. Ein Bericht aus der Fachabteilung wartet auf Zusammenfassung. Das Protokoll vom letzten Jour fixe soll bis heute Mittag fertig sein.
Drei Aufgaben, die zusammen leicht drei Stunden kosten. Und die sich alle mit KI in einem Bruchteil der Zeit erledigen lassen.
📢 KI für Dokumente – was heute bereits funktioniert
Dokumente gehören zum Kern jeder Führungsarbeit. Verträge prüfen, Berichte einordnen, Protokolle nachhalten – das sind keine Ausnahmen, sondern Tagesgeschäft. Und genau deshalb ist das Potenzial für KI in diesem Bereich so groß.
Was sich in den letzten zwei Jahren grundlegend verändert hat: KI kann heute nicht nur Text generieren, sondern Dokumente tatsächlich verstehen. Sie erkennt Strukturen, findet relevante Passagen, verknüpft Informationen aus verschiedenen Quellen und gibt Antworten, die direkt auf das Hochgeladene basieren – nicht auf allgemeinem Wissen aus dem Internet.
Das ist ein kategorialer Unterschied. Und er eröffnet drei konkrete Einsatzmöglichkeiten, die heute im Mittelstand funktionieren:
1. Lange Dokumente zusammenfassen Ein 30-seitiger Lieferantenvertrag, ein Prüfbericht, ein Förderbescheid – all das lässt sich in Sekunden auf die wesentlichen Punkte reduzieren. Die KI extrahiert, was relevant ist, und lässt den Rest weg. Das spart Lesezeit, nicht Entscheidungsqualität.
2. Kritische Passagen gezielt herausarbeiten Statt ein Dokument von vorne bis hinten zu lesen, kann man gezielt fragen: Gibt es Kündigungsfristen? Welche Haftungsklauseln sind enthalten? Unter welchen Bedingungen kann der Vertrag verlängert werden? Die KI antwortet mit konkreten Textstellen – inklusive Seitenangabe zur Überprüfung.
3. Protokolle und Berichte aus Rohdaten erstellen Meeting-Notizen, Stichpunkte, Sprachaufnahmen – daraus entstehen in Minuten strukturierte Protokolle oder Berichte. Die Struktur gibt man vor, die KI füllt sie aus.
Was KI bei Dokumenten nicht kann: Rechtliche Bewertungen treffen, Vertragsrisiken juristisch einschätzen oder Verantwortung übernehmen. Das bleibt beim Menschen. KI liefert die Grundlage – die Entscheidung liegt weiterhin bei Ihnen.
Die entscheidende Faustregel: Wer KI für Dokumente einsetzt, liest schneller – aber nicht weniger sorgfältig. Der Unterschied ist, wo die Aufmerksamkeit hingeht: nicht mehr auf das Überfliegen von Seiten, sondern auf das Bewerten von Inhalten.
🛠️ Tool der Woche: NotebookLM
NotebookLM ist Googles KI-Tool für das Arbeiten mit eigenen Dokumenten – und eines der praktischsten Tools, das derzeit für Wissensarbeit verfügbar ist.
Das Prinzip ist einfach: Sie laden Ihre Dokumente hoch – PDFs, Word-Dateien, Google Docs, auch YouTube-Links oder Webseiten – und können sie anschließend befragen wie einen Kollegen, der alles gelesen hat. Jede Antwort verweist auf die Originalstelle im Dokument, was die Überprüfbarkeit deutlich erhöht.
Besonders nützlich für Führungskräfte: Mehrere Dokumente gleichzeitig hochladen und übergreifende Fragen stellen. „Was sagen die drei Angebote gemeinsam zur Lieferzeit?" oder „Wo widersprechen sich die Berichte?" – das funktioniert zuverlässig.
Datenschutzhinweis: Google nutzt hochgeladene Inhalte in NotebookLM nicht zum Training seiner Modelle. Dennoch gilt: Keine vertraulichen Daten ohne geprüfte Unternehmensrichtlinie hochladen.
Kostenlos nutzbar unter: notebooklm.google
💬 Prompt der Woche
Aufgabe: Vertrag oder langes Dokument gezielt analysieren
Ich lade dir folgenden Vertrag / Bericht hoch. Bitte analysiere das Dokument
und beantworte folgende Fragen:
1. Was sind die drei wichtigsten Punkte, die ich als Entscheider kennen muss?
2. Gibt es Fristen, Kündigungsrechte oder Haftungsklauseln – wenn ja, wo genau im Dokument?
3. Was ist unklar oder fehlt aus deiner Sicht?
Antworte strukturiert und verweise bei jedem Punkt auf die entsprechende
Stelle im Dokument.Dieser Prompt funktioniert mit ChatGPT (Datei-Upload), Claude oder NotebookLM. Ergebnis: In fünf Minuten haben Sie einen strukturierten Überblick über ein Dokument, das sonst eine Stunde Lesezeit gekostet hätte.
📊 Zahl der Woche
2,5 Stunden
So viel Zeit verbringt eine Führungskraft laut einer McKinsey-Analyse durchschnittlich pro Tag mit dem Suchen, Lesen und Verarbeiten von Informationen. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf Dokumente, die nicht für die eigene Entscheidung, sondern zur bloßen Kenntnisnahme gelesen werden. KI kann genau hier ansetzen.
Quelle: McKinsey Global Institute, „The social economy: Unlocking value and productivity through social technologies" (Grundlagenstudie; Zeitaufwand für Wissensarbeit vielfach bestätigt)
🔬 Für Fortgeschrittene: RAG – wie KI auf eigene Firmendaten zugreift
NotebookLM zeigt das Prinzip im Kleinen. Wer es größer denkt, stößt auf den Begriff RAG – Retrieval Augmented Generation. Das klingt technisch, ist aber das entscheidende Konzept hinter KI-Systemen, die mit eigenem Firmenwissen arbeiten.
Was RAG bedeutet: Statt eine KI mit allgemeinem Wissen zu fragen, verbindet man sie mit einer eigenen Wissensdatenbank – Handbücher, Prozessdokumente, CRM-Daten, Verträge. Die KI sucht bei jeder Anfrage zuerst in diesen Quellen, bevor sie antwortet. Das Ergebnis sind Antworten, die auf echten Unternehmensdaten basieren – nicht auf dem, was irgendwann im Internet stand.
Schritt-für-Schritt: Wie RAG im Mittelstand heute umsetzbar ist
Schritt 1 – Einstieg ohne IT-Projekt: NotebookLM Dokumente hochladen, Fragen stellen. Kein Setup, keine API, keine Kosten. Für erste Erfahrungen mit dem Prinzip ideal.
Schritt 2 – Etwas mehr Kontrolle: Microsoft Copilot für Microsoft 365 Wer bereits in der Microsoft-Welt arbeitet, kann Copilot direkt auf SharePoint-Dokumente und Teams-Chats zugreifen lassen. Das ist RAG, eingebettet in die bestehende Infrastruktur.
Schritt 3 – Eigene Lösung: Flowise oder Dify Wer eine eigene RAG-Umgebung aufbauen will – z.B. für Produktdatenblätter, Servicedokumentationen oder interne Wissensdatenbanken – kann mit No-Code-Tools wie Flowise oder Dify starten. Beide bieten einen kostenlosen Einstieg und können lokal betrieben werden.
Der entscheidende Vorteil gegenüber ChatGPT: Die KI antwortet nur auf Basis Ihrer Daten. Keine Erfindungen, keine veralteten Informationen – und keine Daten, die ins Internet wandern.
⚡ 3 Links, die sich lohnen
→ NotebookLM (Google) – Dokumente hochladen und direkt befragen. Kostenlos, kein Account bei bezahlten Diensten nötig. notebooklm.google
→ Flowise – Open Source RAG ohne Code – Wer eine eigene Dokumenten-KI aufbauen will: Flowise ist der zugänglichste Einstieg, lokal betreibbar. flowiseai.com
→ Microsoft Copilot für M365 – Übersicht – Für Betriebe, die bereits auf Microsoft setzen: Was Copilot mit eigenen Dokumenten kann und was es kostet. microsoft.com/de-de/microsoft-365/copilot
📖 Mein Buch
KI-Kompetenz für den Büroalltag – ChatGPT, Copilot & Co. produktiv einsetzen. Inkl. 50 Prompts. → Jetzt auf Amazon
Kennen Sie jemanden, der das lesen sollte?
Führungskräfte im Mittelstand, die KI verstehen wollen – ohne Hype, ohne Buzzwords. Einfach den Link weiterschicken: ki-chefsache.de
⚠️ Hinweis zum Datenschutz
Wenn Sie KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini nutzen, achten Sie darauf, welche Daten Sie eingeben. Vermeiden Sie personenbezogene Daten (Namen, Adressen, Kontodaten) und vertrauliche Geschäftsinformationen, solange Sie keine unternehmensinterne KI-Richtlinie haben. Viele KI-Anbieter verwenden Eingaben zur Verbesserung ihrer Modelle – prüfen Sie die Datenschutzeinstellungen Ihres Tools und deaktivieren Sie ggf. die Verwendung Ihrer Daten für Trainingszwecke. Im Zweifel: Anonymisieren Sie Daten, bevor Sie sie in eine KI eingeben.
Oder: Betreiben Sie Ihre KI lokal – dann stellt sich die Frage gar nicht erst.
Bis nächsten Donnerstag – dann geht es um: KI-Strategie für den Mittelstand – wie man strukturiert anfängt, ohne im Pilotprojekt stecken zu bleiben.
Fragen oder Themenvorschläge? Antworten Sie einfach auf diese Mail.
Herzliche Grüße, Mark Langer KI | Chefsache
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