Guten Morgen,
eine kurze Frage vorab: Haben Sie in letzter Zeit bewusst entschieden, wie Sie KI in Ihrer eigenen Führungsrolle einsetzen – oder nutzen Sie einfach, was gerade da ist?
Die meisten machen Letzteres. Das ist kein Vorwurf.
Denn KI verändert Führung stärker als jedes andere Werkzeug der letzten Jahrzehnte – aber nicht dort, wo viele es erwarten. Und das Tool ist nicht zwingend entscheidend.
Und ich muss warnen, heute wird es fast ein wenig philosophisch.
📢 KI und Führung: Was sich wirklich verändert – und was bleibt
Es gibt eine bekannte Erzählung rund um KI und Führung: Die KI übernimmt die Routinen, die Führungskraft gewinnt Zeit für das Wesentliche. Richtig ist daran, dass KI tatsächlich Routinen abnehmen kann. Was die Erzählung verschweigt: Was mit dieser gewonnenen Zeit passiert, entscheidet sich nicht von selbst, das müssen Sie tun.
Die Entscheidungsrolle verändert sich – sie verschwindet nicht
KI bereitet Entscheidungen vor. Sie analysiert Daten schneller, formuliert Optionen, zeigt Muster. Aber sie trifft keine Entscheidungen im unternehmerischen Sinne – nicht weil sie es technisch nicht könnte, sondern weil Verantwortung nicht delegierbar ist. Die Führungskraft, die das versteht, nutzt KI als Vorbereitung, nicht als Ersatz.
Das bedeutet konkret: Wer früher drei Stunden für die Vorbereitung eines Reportings gebraucht hat und jetzt dreißig Minuten, gewinnt zweieinhalb Stunden. Die Frage ist: Wofür?
Mitarbeitende mitnehmen – das wird zur zentralen Aufgabe
Aktuelle Studien zeigen: Führungskräfte sind vom Potenzial von KI deutlich stärker überzeugt als ihre Mitarbeitenden. Und nur ein Bruchteil der Belegschaft berichtet, eine klare Kommunikation der Vorgesetzten zum Thema KI erhalten zu haben.
Das ist die eigentliche Führungsaufgabe, nicht nur KI einführen, sondern den Menschen erklären, was das für sie bedeutet. Konkret, ehrlich, wiederholt. Und was die Regeln sind.
KI verstärkt, was da ist – nicht was fehlt
Klare Prozesse werden mit KI schneller. Unklare werden schneller digitalisiert.
Aber was analog schon nicht funktioniert hat, wird digital um so schneller scheitern.
Gut dokumentiertes Wissen wird zum wertvollen Kontext für KI-Anwendungen. Undokumentiertes Wissen geht verloren – und keine KI kann es ersetzen. Die Strukturarbeit, die viele Betriebe seit Jahren aufschieben, wird durch KI nicht überflüssig. Sie wird dringlicher.
Was das für Ihren Alltag bedeutet
Vier Fragen, die sich lohnen:
Welche meiner eigenen Routineaufgaben könnte eine KI vorbereiten oder übernehmen?
Welche meiner Mitarbeitenden haben noch keine klare Vorstellung, was KI für ihre Stelle bedeutet?
Welche Entscheidungen treffe ich regelmäßig, die auf schlechter Informationslage beruhen – und die KI verbessern könnte?
Und die unangenehmste Frage: Welche Prozesse werden auch mit KI nicht funktionieren?
Das ist keine Checkliste für ein Transformationsprojekt. Es ist ein Einstieg in eine andere Art, über die eigene Führungsrolle und über Ihre Prozesse nachzudenken.
KI nimmt einem das nicht ab, im Gegenteil, sie zwingt Führungskräfte dazu, sich selbst zu reflektieren und zu transformieren.
🛠️ Tool der Woche: Gamma.app
Was es ist: Ein KI-gestütztes Präsentationswerkzeug, das aus Text oder Stichpunkten fertige Folien erstellt – inklusive Layout, Bilder und Struktur.
Warum es für Führungskräfte relevant ist: Viele interne Präsentationen – Abteilungsupdates, Projektstatus, Quartalszahlen – folgen immer dem gleichen Schema. Gamma kann diese Strukturen erkennen und auf Basis einer Kurzinstruktion fertige Entwürfe liefern. Das spart nicht nur Zeit, sondern zwingt auch zur Klarheit: Wer eine gute Präsentation in Gamma bauen will, muss seine Kernaussagen sauber formulieren.
Einstieg: Unter gamma.app kostenlos nutzbar (mit KI-Guthaben im Free-Tier). Einfach eine Kernaussage oder Stichpunktliste eingeben und „Generate" wählen. Der Entwurf lässt sich danach im Editor anpassen.
Einschränkung: Gamma ist für englischsprachige Inhalte optimiert, funktioniert aber auch auf Deutsch gut. Für interne Zwecke reicht die kostenlose Version in der Regel aus.
💬 Prompt der Woche: KI als Sparringspartner für Führungsentscheidungen
Wenn Sie eine schwierige Entscheidung vor sich haben und einen strukturierten zweiten Blick brauchen:
Ich stehe vor folgender Entscheidung: [Entscheidung kurz beschreiben].
Relevanter Kontext: [Rahmenbedingungen, Beteiligte, Zeitdruck etc.]
Meine aktuelle Tendenz ist: [Ihre Einschätzung]
Bitte analysiere diese Situation aus drei Perspektiven:
1. Welche Risiken übersehe ich möglicherweise?
2. Welche Argumente sprechen klar für meine aktuelle Tendenz?
3. Welche Informationen fehlen mir noch, um sicher zu entscheiden?
Halte dich kurz und präzise. Keine allgemeinen Empfehlungen – nur bezogen auf meinen konkreten Fall.Dieser Prompt funktioniert nicht als Entscheidungshilfe im Sinne von „sag mir, was ich tun soll" – sondern als strukturiertes Werkzeug, um blinde Flecken zu erkennen.
📊 Zahl der Woche
49 %
Fast die Hälfte der Führungskräfte weltweit nennt KI und neue Technologien als ihre oberste strategische Priorität für 2026 – gleichzeitig gibt mehr als ein Viertel an, dass mangelnde strategische Klarheit der größte Hemmschuh für ihre Effektivität ist. Priorität und Klarheit klaffen also weit auseinander.
Quelle: LHH „View from the C-Suite 2026" (Adecco Group, März 2026)
🔬 Für Fortgeschrittene: KI als persönlicher Führungsassistent – konkret einrichten
Wer über den gelegentlichen Prompt-Einsatz hinausgehen will, kann KI als dauerhaften Bestandteil des eigenen Führungsalltags verankern. Das erfordert keine IT-Infrastruktur – aber ein bisschen Systemdenken.
Schritt 1: Anwendungsfälle definieren (10 Minuten)
Notieren Sie drei bis fünf Situationen, in denen Sie regelmäßig Zeit verlieren oder Qualität gewinnen könnten. Typische Kandidaten: Vorbereitung von Meetings, Zusammenfassung von Berichten, Entwürfe für schwierige E-Mails, Analyse von Feedback oder Kennzahlen.
Schritt 2: Für jeden Anwendungsfall einen Basis-Prompt anlegen
Erstellen Sie in Ihrem KI-Tool (ChatGPT, Claude, Copilot) für jeden Anwendungsfall einen Standardprompt, den Sie wiederverwenden. Der Prompt enthält immer: Rolle/Kontext, Aufgabe, Format der Ausgabe.
Beispiel für Meeting-Vorbereitung:
Du unterstützt mich als Führungskraft bei der Vorbereitung von [Art des Meetings].
Mein Ziel für dieses Meeting ist: [Ziel]
Teilnehmer: [Liste]
Erstelle mir: Eine Agenda mit Zeitblöcken, drei vorbereitende Fragen für mich, und eine kurze Zusammenfassung der letzten relevanten Entscheidungen zu diesem Thema (ich gebe dir dazu Notizen).Schritt 3: Outputs dokumentieren
Legen Sie einen einfachen Ort an (Notiz-App, OneNote, Notion) wo Sie gute Prompt-Ergebnisse speichern. Nach vier Wochen haben Sie einen brauchbaren persönlichen Werkzeugkasten.
Schritt 4: Mit einem Mitarbeiter teilen
Wenn ein Prompt gut funktioniert: Teilen Sie ihn mit einer Person in Ihrem Team. Das ist der einfachste Weg, KI-Kompetenz im Betrieb zu verbreiten – ohne Schulungsprogramm, ohne Budget.
⚡ 3 Links, die sich lohnen
Accenture Pulse of Change (Januar 2026) – Die vollständige Studienzusammenfassung mit Daten zur Kluft zwischen Führung und Mitarbeitenden beim Thema KI. → https://www.green-ai-hub.de/aktuelles/nachrichten/2026/01/nachricht-accenture-studie
NordAGI: KI-Signale Anfang 2026 – Drei belastbare Beobachtungen zur KI-Strategie im Mittelstand, jenseits von Hype und Buzzwords. Empfehlenswert als nüchterne Bestandsaufnahme. → https://nordagi.de/ki-signale-anfang-2026-was-fuehrungskraefte-im-mittelstand-wissen-muessen/
Gamma.app – Das Tool der Woche direkt ausprobieren. Einfach eine Kernaussage eingeben und eine Präsentation generieren lassen. → https://gamma.app
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Führungskräfte im Mittelstand, die KI verstehen wollen – ohne Hype, ohne Buzzwords. Einfach den Link weiterschicken: ki-chefsache.de
Wenn Sie KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini nutzen, achten Sie darauf, welche Daten Sie eingeben. Vermeiden Sie personenbezogene Daten (Namen, Adressen, Kontodaten) und vertrauliche Geschäftsinformationen, solange Sie keine unternehmensinterne KI-Richtlinie haben. Viele KI-Anbieter verwenden Eingaben zur Verbesserung ihrer Modelle – prüfen Sie die Datenschutzeinstellungen Ihres Tools und deaktivieren Sie ggf. die Verwendung Ihrer Daten für Trainingszwecke. Im Zweifel: Anonymisieren Sie Daten, bevor Sie sie in eine KI eingeben. Oder: Betreiben Sie Ihre KI lokal – dann stellt sich die Frage gar nicht erst.
Bis zur nächsten Ausgabe: In Ausgabe #10 geht es um KI im Vertrieb – wie Mittelständler Angebote, Nachfassaktionen und Kundenanalysen mit KI konkret beschleunigen.
Beste Grüße und eine gute Woche,
KI | Chefsache Mark [email protected]
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